Das kleine Azaleen-Einmaleins

1. Allgemeines

Rhododendren stellen eine der größten Gattungen im Pflanzenreich dar, wobei es sich bei den Rhododendron-Sorten um Zuchtformen handelt, die in vier Hauptgruppen eingeteilt werden können. Man unterscheidet zwischen sommergrünen und immergrünen Hybriden, zwischen großblättrigen, baumartigen Sträuchern und kleinblättrigen, niedrigwüchsigen Sorten und nach Verbreitungsgebieten. Die Verbreitungsgebiete der Rhododendren reichen von Europa und Nordamerika über den Kaukasus bis nach Tibet, China, Japan und Südostasien. Die vier Hauptgruppen umfassen „echte“ Rhododendron-Hybriden, tropische Rhododendron-Hybriden, sommergrüne Azaleen, die zum Winter ihr Laub abwerfen, und sogenannte immergrüne Azaleen, die im Winter zwar nicht kahl sind, aber durchaus bis zu 70% ihres Blätterkleides verlieren können. Zu den immergrünen Azaleen zählen wiederum Indica-Azaleen, Kurume-Azaleen, Kaempferi-Azaleen und Satsuki-Azaleen. „Satsuki“ bedeutet „fünfter Monat“ und bezieht sich auf die Blütezeit dieser Hybriden im Monat Mai. Diese Azaleen sind frosthart bis -12° C und zeichnen sich in ihren Varietäten durch eine unermessliche Fülle an verschiedenen Blütenformen und –Farben aus. Dabei kann eine Pflanze verschiedenfarbige Blüten ausbilden. Diese Sorte erfreut sich unter den japanischen Bonsai-Züchtern besonderer Beliebtheit.

2. Gießen

Besonders wichtig für die Pflege der Bonsai-Azaleen ist das richtige Gießen. Auf keinen Fall sollten die Bonsai ballentrocken werden, denn dieser Zustand führt in vielen Fällen zum Teil- oder Vollverlust der Pflanze. Der Ballen sollte mäßig feucht gehalten werden, wobei Staunässe zu vermeiden ist, da diese häufig zu Wurzelfäule führt. Das Gießintervall richtet sich nach der Größe der Schale, der Art des Substrates und dem Standort der Pflanze. Nur kalkarmes Gießwasser, z. B. Leitungswasser der Stufe 2-3 d H, eignet sich für Azaleen. Verwendet man kalkhaltiges Brunnenwasser, muss dieses mit Regenwasser im Verhältnis 1:1 vermischt werden und einige Tage abstehen.


3. Erde

Azaleen benötigen einen sauren, kalkfreien Boden (PH-Wert 4-6), der sowohl einen mineralischen als auch organischen Anteil aufweist. Zu empfehlen ist meine Erdmischung aus 1/5 Bimskies (gewaschen), 1/5 Kanuma (saures Japangranulat), 1/5 Kokosfasern, 1/5 getrockneter Blähton und 1/5 Eichenrindenkompost oder Kiefernnadelkompost (z. B. von Ingrina). Das Mengenverhältnis aller Bestandteile kann je nach Gießverhalten variieren. Kokosfasern haben gegenüber Torf den Vorteil, dass sie sich nach dem Austrocken wieder leicht benetzen lassen. Sie können extrem viel Wasser speichern.


4. Düngen

In der Hauptwachstumsphase sollte regelmäßig bei jedem Gießen schwach gedüngt werden. Während der Blüte sollte keine Düngergabe erfolgen. Bewährt haben sich sogenannte Volldünger, die sowohl über das Blatt als auch über den Wurzelapparat aufgenommen werden (z. B. Wuxal, Mairol). In der zweiten Jahreshälfte wird der stickstoffbetonte Dünger (N) gegen einen stickstoffarmen Dünger mit hohem Gehalt an Kalium, Phosphor und Magnesium (K, P, Mg) getauscht, der dann für die Aushärtung der Neutriebe sorgt.


5. Topfen

Generell werden die Bonsai-Azaleen vor der Blüte getopft, um die Pflanze während und nach der Blüte nicht zu stören, wenn sie die Neuaustriebe ausbildet. Erst wenn die Austriebe vollständig angelegt sind (im Juli), besteht erneut die Möglichkeit, die Bäume zu topfen. Herrschen im Sommer zu hohe Temperaturen vor, kann bis in die ersten Septemberwochen hinein umgetopft werden. Nach dem Auskämmen des Wurzelballens sollte dieser nur leicht beschnitten werden.


6. Arbeiten vor und nach der Blüte

Die Blüten werden grundsätzlich selektiert, um Engstände der Knospen zu beheben oder deformierte und kleine Blüten zu entfernen. Nach der Blüte werden alle Blütenreste bis auf den Grund ausgeschnitten. Den Neuaustrieb an jeder Blüte entfernt man bis auf zwei Triebe, die stehen bleiben. Des Weiteren ist nach der Blüte der richtige Zeitpunkt, um die Pflanze neu zu verjüngen und zu gestalten. Ältere Pflanzen schlagen auch nach einem Rückschnitt am alten Holz wieder aus. Dabei muss allerdings am betreffenden Ast wenigsten noch ein Blattpaar verbleiben (sonst Gefahr des Saftrückzuges!). Größere Schnitte sollte man mit einem scharfen Messer glätten und mit einem Wundverschluss (japanischer Baumkitt) versehen.


7. Stellplatz

Rhododendren und Azaleen benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ein halbschattiger Stellplatz ist daher in den Sommermonaten von Vorteil (sonst Verbrennungsgefahr der Blätter). In den gemäßigten Monaten ist ein sonniger Stellplatz optimal. In den Wintermonaten sollten die Pflanzen vor kalten Winden und Frost geschützt aufgestellt werden! Ein unbeheiztes Gewächshaus oder ein Folientunnel wäre ideal. Bei kleinen Pflanzen eignet sich zur Überwinterung auch eine mit Torf gefüllte Holz- oder Styroporkiste, in die die Bäume eingesetzt werden. Zum äußeren Schutz ist ein Frostflies vorteilhaft. Achtung: Satsuki-Azaleen sind bis maximal -12° C winterhart. In den Herbst- und Wintermonaten können sie bis zu 70% ihrer Blätter verlieren, dann bleiben nur rund um die Knospe Blätter stehen. Bei Verlust der Knospen liegt jedoch ein Pflegefehler vor! Dann sollte ein fachmännischer Rat eingeholt werden.

Abgefallenes Laub muss unbedingt aus den Etagen entfernt werden (entweder per Hand heraussammeln oder mittels Kompressor ausblasen), damit keine „Faulnester“ entstehen können, die auch gesundes Laub infizieren. Es droht sonst der Verlust der Etage!


8. Krankheiten

Die sogenannte Rußflecken-Krankheit (Symptome: gelb-rote, später braune großflächige Flecken auf den Blättern, danach Blattfall) wird von verschiedenen Pilzen verursacht. Dagegen spritzt man die Pflanze mit einem kupferhaltigen Fungizid oder mit Netzschwefel.

Der Befall durch Läuse, Raupen, Spinnenmilben und Blattwanzen (schwarzer Kot und Larven unter den Blättern) wird am besten mit einem systemischen Spritzmittel bekämpft. Empfehlenswert ist BI 58 von Bayer.

Stamm- und Wurzelfäule, die zum Absterben von Baumteilen oder des ganzen Baumes führt, wird von einem Pilz namens Phytophthora cinnamonii oder cactorum hervorgerufen. Meiner Erfahrung nach ist das Auftreten des Pilzes auf folgende mögliche Pflegefehler zurückzuführen:

• zu hohe Luftfeuchtigkeit am Standort, keine ausreichende Luftzirkulation

• zu hohe Wassergaben (Staunässe,)

• Moosschichten auf der Oberfläche verhindern die Sichtkontrolle des Substrats und das Abtrocknen (Moos entfernen)

• zu dunkler Standort ohne ausreichende Sonneneinstrahlung

• verstopfte Ablauflöcher in der Schale, wenn das Substrat zerfallen ist (fehlende Drainage,

keine Feuchtigkeitskontrolle des Substrates möglich)

Kostbare Bäume können mit Fosetyl (Aliette Pilzfrei, Aluminiumsalz) gespritzt werden. Die gesunden Teile behandelt man im Abstand von 30 Tagen 4 bis 5-mal. Allerdings ist der Erfolg aus meiner Sicht eher gering bis mäßig, wenn der Baum bereits in größeren Teilen abgestorben ist.

Bei Auftreten der Ohrläppchen-Krankheit (gallenartige Verdickung der Blätter) entfernt man einfach die befallenen Blätter, sorgt für eine bessere Luftzirkulation und vermindert die Luftfeuchte.